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Minimalismus

Weniger Dinge, mehr Ordnung, einfaches Leben. Minimalismus, inzwischen ein Trend, hat mich schon mehrere Jahre in seinen Bann gezogen hat. Primär geht es mir um Freiheit und das Gefühl der Leichtigkeit, das sich aus gelebtem Minimalismus ergibt. Die Gesetze des Minimalismus lassen sich auf alle erdenklichen Lebensbereiche anwenden, auch auf die Fotografie, was durchaus spannend ist. 

PARETO-Gesetz

Bekannt als 80/20-Regel besagt das Gesetz, dass man mit 20% Aufwand 80% des gewünschten Resultats erzielen kann. Was heißt das konkret? Angenommen es warten 100 Fotos vom letzten Shooting auf deiner Speicherkarte. Effektiv wäre es, gleich in der Kamera die besten 20 auszuwählen und den Rest in den virtuellen Papierkorb zu befördern. Dagegen sprechen die eingeschränkten Möglichkeiten des Displays oder die Lichtverhältnisse vor Ort. Ein 100%iger Import in Lightroom ist folglich durchaus zu rechtfertigen. Hier stehen tip-top Selektionstools (Fähnchen, Sterne, Farben) zur Verfügung, von denen du mit der nötigen Portion Bauchgefühl und gutem Auge Gebrauch machen solltest. 1/5 der Dateien werden selektiert, der Rest konsequent eliminiert. Die Aufgabe, nur 20 RAW-Dateien in ansehnliche JPEGs zu verwandeln, klingt erfrischend, oder? Beim Editing macht es wenig Sinn, sich in unnötigem Perfektionismus zu verlieren. Niemand wird es zu schätzen wissen, dass du das Für und Wider der Auswirkungen von fünf unterschiedlichen Einstellungen des Klarheitsreglers in der 200%Ansicht zwei Stunden geprüft hast. Für einen immer wieder kehrenden Workflow bieten sich Presets an. Es sei denn, du willst ein wahres Kunstwerk erschaffen, das an ein Gemälde der alten Meister erinnert. Dann nimm dir alle Zeit der Welt, experimentiere und verliere dich in den unendlichen Weiten des Photoshop-Universum. 😉 

Übrigens: Ganz clever wäre es, statt der 100 Fotos nur 20 aufzunehmen. Ich arbeite daran.

PARKINSON-Gesetz

Eine Aufgabe dehnt sich in dem Maße aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Sprich, ein verregnetes Tristesse-Wochenende kann der gemeine Hobby-Fotograf schon mal komplett am Computer verdümpeln. Das Ergebnis lächelt ihm dann womöglich in Form einiger nichts sagender Pixel-Ansammlungen, die die Welt nicht braucht, gelangweilt entgegen.  Abhilfe schaffen konsequente Deadlines mit klaren Zielvorgaben.  Das Parkinson-Gesetz bezieht sich nicht nur auf die zur Verfügung stehende Zeit, sondern auch auf den Raum. Klar – ein aufgeräumt, präsentierbarer 64GB-USB-Stick kommt um einiges knackiger daher als eine verstaubte, ballastreiche 2TB-Festplatte, deren komplizierte Pfade nicht mal ihr Erschaffer zu begehen wagt.

KISS-Gesetz

Menschen neigen dazu, alles kompliziert zu machen. Das ist in Anbetracht der Fülle der zur Verfügung stehenden Tools und der immensen Wahlmöglichkeiten auch kein Wunder. Kiss steht im Minimalismus-Kontext nicht für Kuss, sondern für „Keep it simple and smart“. Finde einen schnellen, unkomplizierten Weg, um von A nach B zu gelangen. Entscheide, was Du wirklich brauchst und lass den Rest weg. Grüble nicht endlos, welche Art von Kamera wohl die beste ist. Nutze, was Du hast.  Der durchschnittliche Foto-Homo sapiens ist ohnehin hoffnungslos über-technisiert und fährt bildlich gesprochen mit einem Maybach zum Brötchen holen. Manche kommen ganz ohne Brötchen zurück. Vorbeigerauscht … Schuld ist nicht selten der mentale Technik-Overkill. Aber das ist ein anderes Thema.

Minimalistische Grüße und geht raus in die Natur, bevor sie weg ist.

Dagmar #Capkira

5 thoughts on “Minimalismus

    • Och – hast sogar aus Norwegen vorbeigeschaut. Freut mich! Wünsche Euch noch viele herrliche Landschaften. LG 🙂

  1. Ein philosophischer Exkurs, den die Nachwelt einst bewerten wird.
    Spontan erinnerte mich das an ein Zettelchen, welches George Eastman, der Erfinder des Rollfilms, nach dem er von seiner unheilbaren Krankheit (1932) erfahren hatte, hinterlies, mit den Worten: „My work ist done, why wait ?“
    Ich meine, Minimalismus ist schon auf vielen Gebieten überdenkenswert, aber auch für ein Hobby …?
    Zurück zur Lochkamera …?
    LG 😉

    • capkira
      2019-05-27
      Nun bin ich nicht der Mensch, der missioniert. Jeder kann sich vom Minimalismus-Kuchen ein so großes oder kleines Stück abschneiden, wie ihm beliebt. Mit einem Schmeckt-Nicht kann man die Angelegenheit auch schlicht vom Tisch wischen. Fakt ist, dass der solide Hobby-Fotograf in einer arbeitsreichen Woche eine knappe Handvoll Stunden übrig hat, um seiner Passion zu frönen. Von wissenschaftlicher Seite tönt es, es wären 10.000 Stunden Übung nötig, um eine Sache wirklich zu beherrschen. Erhöhen wir auf 10 Stunden reines Fotografieren pro Woche, kommen wir auf knapp 20 Jahre, die nötig wären, um mit dem Knips-Dingens halbwegs professionelle Ergebnisse hinzubekommen. Wenn Du Dir angenommen noch alle 5 Jahre eine neue Kamera kaufst, bekommt Deine Lernkurve jedes mal eine gehörige Delle. Warum? Du verschwendest einen Haufen Zeit, um Dich mit der komplizierten Technik auseinanderzusetzen. Das lenkt vom eigentlichen Bild ab. Für meine Begriffe geht´s um Licht, Farbe, Komposition und mit etwas Glück sogar um eine Story, die ein sehenswertes Foto ausmachen. Das sind vier Parameter, die mein (also mein!) Hirn absolut auslasten. Die Kamera soll bestenfalls einfach funktionieren. Darüber will ich nicht nachdenken müssen. Bist Du ein Technik-Nerd, dann ist das natürlich etwas anderes. Schlussendlich muss jeder seinen Faible finden und ihn so ausleben, dass Mensch am Ende des Tages zufrieden ist und nicht etwa genervt, überfordert oder gar pleite.

      P.S.: Den Rest des Lebens zugunsten einer Leidenschaft zu minimalisieren ist natürlich eine große Nummer ;-).

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